Dok-Film: 1969 - Als die Rolling Stones angeblich auf dem Springer-Hochhaus spielten - Zeitzeugen berichten.
von und mit Stefan Paubel, Dokumentarfilmer (Berlin)
Ein Konzert, das nie stattfand – und trotzdem Folgen hatte
In den 1960er Jahren war Beatmusik für viele junge Menschen in der DDR weit mehr als Unterhaltung. Sie hörten die Rolling Stones, die Beatles und andere westliche Bands über RIAS und andere Westsender – Musik, die für Freiheit, Aufbruch und eine andere Lebenswelt stand.
Nach schweren Ausschreitungen rund um ein Konzert der Rolling Stones 1965 in der West-Berliner Waldbühne verschärfte die DDR-Führung ihren Kurs gegen die eigene Beatbewegung. Bands wurden verboten, Auftritte erschwert und Jugendliche wegen ihrer Musik und ihres Aussehens unter Druck gesetzt. Erst Jahre später konnte sich wieder eine eigenständige Rock- und Beatkultur in der DDR entwickeln.
Mitten in dieser angespannten Situation verbreitete sich 1969 ein spektakuläres Gerücht: Die Rolling Stones würden auf dem Dach des Springer-Hochhauses in West-Berlin ein Konzert geben.
Tatsächlich hatte ein Moderator von RIAS Berlin die vermeintliche Sensation nur scherzhaft in die Welt gesetzt. Doch Tausende Jugendliche im Osten nahmen die Nachricht ernst. Sie machten sich auf den Weg in die Nähe des Springer-Hochhauses – und damit zugleich in unmittelbare Nähe zur streng bewachten Staatsgrenze.
Die DDR-Sicherheitskräfte reagierten nervös und hart. Rund 120 Jugendliche wurden festgenommen, verhört und drangsaliert.
Aus einer erfundenen Konzertankündigung wurde so ein reales Stück deutsch-deutscher Geschichte. Die Rolling Stones selbst erfuhren davon nie – und auch der RIAS-Moderator konnte kaum ahnen, was seine scherzhafte Meldung auslösen würde.
Der Dokumentarfilm erzählt von der Sehnsucht einer Generation nach Musik und Freiheit, von jugendlichem Protest und davon, wie viel politische Sprengkraft ein einziges Gerücht im geteilten Berlin entfalten konnte.
Schnitt und Bearbeitung: Stefan Paubel (2025/2026)